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Mainz wie es singt und kracht – Die Mainzer Vorstandsgehälter

Die beiden Geschäftsführer der Stadtwerke Mainz Tobias Brosze und Daniel Gahr bekommen jeweils um die 275.000 Euro Gehalt pro Jahr (bei Gahr geschätzt, da er den Vorsitz der Stadtwerke erst vor kurzem übernommen hat). Das sind in etwa 22.000 Euro brutto im Monat, nach Steuern vermutlich etwa 13.000 netto im Monat. Die beiden Geschäftsführer der städtischen Wohnbau Mainz GmbH Thomas Will und Franz Ringhoffer haben 2016 ein Fixgehalt von jeweils rund 200.000 Euro bezogen, bei Ringhoffer kommen als Geschäftsführer der Grundstücksverwaltungsgesellschaft der Stadt Mainz (GVG) nochmal 40.000 im Jahr dazu. Die Gehälter sind somit mindestens doppelt so hoch wie die Einkommen der Beigeordneten im Stadtvorstand. Auch das zu versteuernde Einkommen von OB Michael Ebling (SPD) liegt mit 134.640 Euro deutlich unter den Geschäftsführer- Bezügen. All diese Zahlen lassen sich – mit ein wenig Aufwand – auf www.mainz.de nachlesen. Die Einkünfte der Dezernenten datieren dort zwar noch von 2013/14, sollen aber bald aktualisiert werden, sagt Stadt-Pressesprecher Marc André Glöckner. Es solle jedoch keine Neiddebatte entstehen. Man solle sich doch auch mal die Gehälter von DAX-Vorständen wie Daimler & Co. anschauen wird immer wieder gesagt. Zusätzlich sei die Komplexität der Geschäftsabläufe und des wirtschaftlichen wie rechtlichen Umfelds zu beachten, da sich hierdurch unterschiedliche Anforderungen an die Geschäftsführung ergeben. Der Rechtfertigungsreflex setzt meistens ein

Transparenz als Antwort

2013 hatte der Stadtrat, auch als Folge der Wohnbau-Krise früherer Jahre, einen „Public Corporate Governance Kodex“ beschlossen. Er beinhaltet unter anderem, dass die Gehälter der Geschäftsführer der Unternehmen und Gesellschaften der Stadt Mainz aufgeschlüsselt werden nach Fixgehältern, erfolgsabhängigen Vergütungen und Aufwandsentschädigungen. Die Zahlen werden in zunehmendem Maße im Beteiligungsbericht der Stadt aufgeführt und damit öffentlich. Im Beteiligungsbericht 2017 tauchen nun die Wohnbau auf, der Wirtschaftsbetrieb, das Staatstheater und die mainzplus Citymarketing. Dass immer noch viele Einkommen von Chefetagen und städtischen Beteiligungen nicht genannt werden, erklärt Bürgermeister Günter Beck damit, dass die Arbeitsverträge erst eine Transparenzklausel enthalten müssen, was schrittweise nachgeholt werde. Im nächsten Beteiligungsbericht 2018 werden also noch mehr Einkommen „transparent“. Ebenfalls einzusehen sind die lukrativen Sitzungsgelder der Aufsichtsräte entsprechender Unternehmen, in denen zum Großteil Stadtpolitiker sitzen. Die Pauschalen hier bewegen sich zwar nur im 300 Euro-Bereich pro Jahr und Unternehmen. Dennoch: Wenn ein Stadtrat in drei bis vier Aufsichtsräten sitzt – was durchaus vorkommt -, sind das immerhin um die 1.000 Euro pro Monat zusätzliches Kleingeld. Kein Wunder, dass da bei manch einer Führungsperson der Bezug zu Tante Erna von der Straße verloren geht. Nicht nur die SPD-Führung lässt grüßen.

Gehalt aufbessern?

Fach- und Führungskräfte in Deutschland verdienen durchschnittlich 58.000 Euro brutto im Jahr. Am besten schneiden Ärzte mit 84.000 Euro ab, gefolgt von Banking-Spezialisten mit 70.000 Euro, Ingenieuren (67.000 Euro) und ITlern (65.000 Euro). Weit hinten an stehen die sozialen Berufe, die dafür aber den Großteil der Drecksarbeit leisten dürfen und letztlich auch am dringendsten gebraucht werden. Nicht ganz so hohe Gehälter erwarten auch Absolventen von Politik- und Sozialwissenschaften. Wer dort das Bestmögliche herausholen will, sollte zumindest den Personalreferenten anstreben (dort liegt das Gehalt bei knapp 60.000 Euro) oder sich eine Stelle bei einem Fahrzeugbauer oder -zulieferer suchen, dann werden es schon mal 10.000 Euro mehr im Jahr. Der Rest kann getrost weiter träumen oder Schlange stehen bei der Tafel. Und im nächsten Leben dann doch besser Karriere machen bei den Stadtwerken oder ihrer örtlichen Sparkasse.

Text David Gutsche

Mainzer Bürgermeister und Dezernenten (in Euro)

OB Ebling 134.000

Günter Beck 100.000

Christopher Sitte 108.000

Katrin Eder 100.000

Marianne Grosse 100.000

Vorstände der städtischen und stadtnahen Unternehmen (in Euro)

Stadtwerke – Daniel Gahr keine Angabe

Stadtwerke – Tobias Brosze 275.000

Wohnbau Mainz – Franz Ringhoffer und Thomas Will zusammen 395.000

GVG Mainz – Franz Ringhoffer 40.000

Wirtschaftsbetrieb Mainz – Michael Paulus und Jeannette Wetterling zus. 325.000

Staatstheater – Volker Bierwirth und Markus Müller (Intendant) zusammen 265.000

mainzplus – Uwe Leitermann und August Moderer zusammen 233.000

Gebäudewirtschaft Mainz – Gilbert Korte keine Angabe

Kommunale Datenzentrale – Michael Bockholt keine Angabe

Mainzer Aufbaugesellschaft – Martin Dörnemann, Christian von der Lühe keine Angabe

Mainzer Altenheime – Oliver Backhaus keine Angabe

Kulturzentren Mainz – Daniela Lohmann keine Angabe

Entsorgungsbetrieb – Hermann Winkel keine Angabe

3 Kommentare “Mainz wie es singt und kracht – Die Mainzer Vorstandsgehälter

  1. Die Gehälter von DAX Vorständen als Vergleich heranzuziehen, ist lustig. Es geht bei den im Artikel gelisteten Jobs um Provinzposten, die zu einem nicht unerheblichen Teil von der öffentlichen Hand (Steuergelder) finanziert werden. In keinem DAX-Konzern hätten die genannten Personen jemals die Chance, auch nur eine Stelle vier Ebenen unter dem Vorstand zu bekommen.

  2. Stimmt, Holger. Das ist genauso lächerlich wie Politiker, die sich beschweren, dass sie weniger als ein DAX Vorstand verdienen und das Ganze mit dem Hinweis versehen, sie könnten ja genau so einen Posten annehmen. Da denkt ein Studienrat von der SPD schon mal, er könnte ganz easy CEO bei Daimler werden 🙂 … oh Mann

  3. Der an sich interessante Artikel ist an einigen Stellen schlecht recherchiert und sogar polemisch. Kaum ein Stadtratsmitglied (vermutlich keines außer dem Oberbürgermeister) erhält “um die 1.000 Euro pro Monat zusätzliches Kleingeld”.

    Ich erhalte als Aufsichtsratsmitglied der Zentralen Beteiligungsgesellschaft Mainz GmbH (ZBM) 75 Euro im Monat (alles inklusive, auch Sitzungsgelder). Als Stadtratsmitglied erhalte ich 239 Euro im Monat plus etwa 50 Euro Sitzungsgelder. Als Ortsbeiratsmitglied erhalte ich etwa 6 Euro im Monat. In der Summe sind das 370 Euro. Damit dürfte ich im Mittelfeld meiner Stadtratskolleg(inn)en liegen.

    Davon müssen/sollen/dürfen wir SPD-Mitglieder 30% an die Partei spenden. Die Fahrten zum Rathaus (Busfahrkarten) oder die Gebühren bezahlen wir selbst. Es bleiben etwa 240 Euro im Monat.

    Ich habe gerade mal gezählt: Pro Monat habe ich in o. g. Funktionen ungefähr 25 Termine. Die dauern jeweils 1 bis 5 Stunden und benötigen im Schnitt 1-2 Stunden Vor- und Nachbereitung. Das sind ungefähr 80 Stunden pro Monat. Daraus folgen 3 Euro Verdienst pro Stunde.
    Ich möchte keineswegs klagen, aber richtigstellen.

    Wir Stadtratsmitglieder entscheiden übrigens über 700 Mio Euro pro Jahr und haben Verantwortung über 4000 Mitarbeiter(innen) der Stadt.

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