| | Kommentieren

Lokale Lieferkonzepte in Hochkonjunktur

Die Jungunternehmer Adrian Koch (vorne links) und Sahand Sabri (vorne rechts) wollen mit „Mainz liefert“ die Gastronomie unterstützen. Foto: Sascha Kopp

Wenn man denn Corona etwas Gutes abgewinnen will, dann ist es vermutlich die Improvisations-Fähigkeit unserer Gesellschaft. Themen, die schon seit Jahren auf der Agenda standen, wie etwa „mehr Digitalisierung“, wurden – quasi über Nacht – aus dem Boden gestampft. Einige dieser Errungenschaften haben dem ausgeknockten Mainzer Einzelhandel und der geplagten Gastro-Szene, die plötzlich auf ein reines „to go“-Geschäft reduziert wurde, einen Online-Schub versetzt, erfreulicherweise mit einer regionalen Note wie die Lieferservices „Mainz gebracht“, „Mainz liefert“ oder der Online-Marktplatz „Heimatschatz“. Initiiert hat „Mainz gebracht“ der gerade ausgeschiedeneCitymanager Dominique Liggins, der kurz nach dem ersten Lockdown im März 2020 nach individuellen und vor allem lokalen Lieferwegen für den Einzelhandel gesucht hat. „Mainz gebracht“ wurde postwendend ein Erfolg. Bereits in den ersten Wochen nach der Einführung des Lieferdienstes wurden rund 1.500 Sendungen von Mainzer Einzelhändlern zugestellt.

Mainz liefert
Auch „Mainz liefert“, eine Idee von vier Jungunternehmern (Adrian Koch, Shand Sabri, Philip Ditt und Anh Duc Vu) hat den Nerv der Zeit getroffen und gerade den Mainzer Gastronomen eine Last von den Schultern genommen. Sieliefern nachhaltig mittels Papiertragetaschen und via E-Bikes und E-Roller was die Gastro-Szene an kulinarischen Genüssen zaubert, um sie dann schnellstmöglich zum Kunden zu bringen. Die Zahlen sind beachtlich: rund 50 Restaurants in Mainz nutzen „Mainz liefert“, die inzwischen über 70 Mitarbeiter beschäftigen und mehr als 25.000 Bestellungen im gesamten Stadtgebiet ausgefahren haben.

„Mainz gebracht“: Thomas Schmitz & Frank Bramer (Geschäftsführer Velo Carrier), Thomas Bach, Leiter Kommunikation Sparkasse Mainz und Dominique Liggins (ehem. Citymanager)

Heimatschatz
Parallel dazu hat auch die Verlagsgruppe Rhein-Main (VRM) ihr online Portal „Heimatschatz“ ins Leben gerufen, um damit vor allem den Mainzer Einzelhändlern, die noch keine digitale Präsenz hatten, ein Tool zur Verfügung zu stellen, mit dem sie schnell und unkompliziert online gehen konnten, um Waren über das Internet anzubieten. „Wir haben da sehr eng mit der Werbegemeinschaft zusammengearbeitet“, erinnert sich Fabian Bernhard von der VRM. Bereits nach vier Wochen standen rund 150 Händler auf dem Portal von „Heimatschatz“, das auch Händler außerhalb der Werbegemeinschaft ansprach und selbst im rheinhessischen Umland Interessenten rekrutierte. Dabeiging es nicht nur um eine reine Online- Präsenz, sondern auch um die crossmediale Verknüpfung mit sozialen Medien. Dass sich auch „Heimatschatz“ und „Mainz gebracht“ sinnvoll ergänzen können, zeigt die VRM mit unbürokratischen Hilfeleistungen. So stellte man der Crew von „Mainz gebracht“ im April 2020 ein Fahrzeug zur Verfügung, um die Auslieferungen, die überwiegend von Ehrenamtlichen übernommen wurden, zu erleichtern. Mit den Marktfrühstücks- Paketen schaffte man sogar eine noch engere Kooperation. Über „Heimatschatz“ lief die Bestellung und Warenbeschaffung „Mainz gebracht“ sorgte für die Auslieferung.

Break im Sommer
Im Sommer 2020 lief das Online- Geschäft zunächst wieder ruhiger, vor allem dank der Lockerung der Maßnahmen und der Wiederöffnung der Läden in der Stadt. Erst mit dem zweiten Lockdown kurz vor Weihnachten hat Dominique Liggins „Mainz gebracht“ wieder reaktiviert und den Lieferprozess in professionelle Hände übergeben. Dabei übernahmen Velo Carrier Mainz und die Agentur „hier & jetzt“ die Logistik und wurden dabei von der Sparkasse Mainz und dem Mainzer Citymanagement unterstützt. Die Sparkasse, die bereits im ersten Lockdown ab Stunde Null die Initiative supportete, brandete nicht nur zwei Lastenfahrräder in auffälligem Sparkassen-Rot, sondern sponserte auch noch die Auslieferung der ersten 1.000 Päckchen: „Die Verknüpfung aus Einzelhandel und dem emissionsfreien Transport von Waren per Lastenfahrrad wird allen Mainzern helfen, gemeinsam durch die schwierigen Wochen zu kommen“, so Thorsten Mühl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mainz. Auch das Online-Portal „Heimatschatz“, dem inzwischen über 300 Händler beigetreten sind, setzt weiter auf die Digitalisierung des Einzelhandels. Auf Instagram folgen über 1.300 Personen dem Channel. Im Dezember wurden über 55.000 Seitenaufrufe verzeichnet und allein zwischen September und Dezember über 1.000 Bestellungen getätigt.

Text Michael Bonewitz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.