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Interview mit Tausendsassa Dirk Seefried

Bald machst Du wieder die Weintage vom 28. April bis 1. Mai am Rheinufer. Wie kamst Du eigentlich auf die Idee und was wird dieses Jahr geboten?
Meine damalige Freundin war Weintrinkerin und weil es in Wiesbaden auch ein Weinfest gibt, zwar elitärer und so, dachte ich mir, das können wir hier auch haben. Der Weinmarkt war ja früher auch noch etwas eingemottet. Außerdem ist Mainz Great Wine Capital.
Von daher machen wir seit mittlerweile sechs Jahren die Weintage, etwas frischer eben. Also mit vier Bühnen, neuen Essensständen, zum Beispiel aus Sri Lanka, oder Knödel, ein Wiener Strudelhaus, das mache ich selbst, ein Burger Truck und Falafel, den Stand habe ich auch selbst, mehrere Veganer usw. Und weinmäßig alles aus Rheinhessen, also um die 90 Stände insgesamt.

Du hast noch diverse weitere Projekte gemacht: das Schröders, den Kumiklub und Kumi-Biergarten, den Heiligen Aal, Heiligen Elch … der Südbahnhof gehörte dir, wo das Schick & Schön dann startete. Bist Du Gastronom oder was bist Du eigentlich?
In die Gastronomie rutscht man ja mehr so rein manchmal. Aber wenn man ein Faible für Menschen, Design, Konzepte und Zielgruppen hat, dann ist das eben so. Ich habe die Läden ja auch selbst gebaut und renoviert. Da ist so eine kreative Ader, das macht mir Spaß. Und das fällt mir auch zu irgendwie. Ich hatte da schon immer Glück und bin auch so ein Sensationsclown.

Oder machst Du das alles nur um Geld zu verdienen und davon zu reisen?
Ja, das meiste geht schon fürs Reisen drauf. Da fühle ich mich zuhause. Aber ich würde trotzdem weiter Sachen machen oder auch gerne junge Leute anleiten und meine Erfahrung weitergeben.

Was sind Deine Lieblingsländer?
Da waren so viele… In Europa fast alle Länder außer Bulgarien und Rumänien. Asien alles außer Tibet, Japan und Korea. Australien, Neuseeland, USA und Mittelamerika. OK, Südamerika und Afrika bisher noch nicht. Aber am liebsten Asien, vor allem Thailand. Die haben da sowas verspieltes, sehr gutes Essen, herzliche Leute, viele Inseln und viele Märkte. Find ich toll.

Den Hurenball an Fastnacht machst Du ja auch. Wie läuft’s denn da so? Da gab es Streit mit dem Imperial dieses Jahr?
Ja, der läuft gut. Das Imperial wollte mir den Namen wegnehmen, weil ich den dieses Jahr in der Halle45 gemacht habe. Aber das lief nicht. Die dürfen jetzt 30 Kilometer um Mainz nicht mehr den Namen verwenden. Der Hurenball ist eben etwas erotischer. Das hat sich jetzt ja auch schon etabliert. Früher hatten wir mal paar Swinger am Start, aber das ist heute alles ganz normal.

Mensch

Kannst Du was zu deinem Lebensweg sagen?
Ich komme ursprünglich aus Hamburg. Meine Eltern sind nach Mainz auf den Lerchenberg gezogen und schließlich nach Ober- Olm. Nach der Schule bin ich für sechs Jahre nach Berlin gegangen und wollte da eigentlich mein Abi machen. Aber es fügte sich so, dass ich plötzlich in den An- und Verkauf gerutscht bin, alte Ost-NVA Stahlhelme in den Westen usw. Später, in den Neunzigeren zurück nach Mainz, habe ich die heutige Kneipe Schröders gesehen und da haben wir den Laden zurechtgemacht. Dann ging es so immer weiter, immer andere Konzepte und Läden. Ich finde, die meisten Menschen machen ihr Leben immer dasselbe. Aber man sollte Neues ausprobieren. Das frischt auf. Ich brauch in meinem Kopf die Freiheit für solche Dinge.

Trotzdem bist Du bis heute in Mainz geblieben. Warum?
Klimatisch ist es gut hier. Es ist warm. Und die Menschen sind nett und umgänglich und einfach. Und der Flughafen ist in der Nähe. Ich wohne in Budenheim, das ist bodenständig und arbeitermäßig. Mainz ist zwar nett, spricht aber nicht meine Sprache. Die ist klar und ich denke klar. Ich sage, was ich will und was ich nicht will. Das wird dir ein Mainzer nie sagen, der schwätzt so: Ich weeß es nit. So wie sie Fußball spielen. Mal gut, mal schlecht. Da ist keine Linie drin. Das mag ich nicht. Mainz ist und bleibt eine Provinzstadt. Das wird sich nicht ändern und das sollte sich auch nicht ändern. Dafür gibt’s dann Frankfurt als Metropole. Da müssen wir doch nicht auch noch die Nordmole verbauen, so‘n Fuck. Da kriegt man ja noch nicht mal mehr Sonne jetzt ab. Mainz hat einfach keinen eigenen Stil.

Also doch noch Auswandern?
Vielleicht finde ich nochmal woanders was, einen Strand oder so. Aber ich nehme das Leben wie es kommt. Ich plane nie. Bei mir geht es immer von einem Abenteuer ins nächste. Ich denke nie rational. Aber ich muss immer etwas tun. Zuviel Sonne aufm Kopp macht auch depp. Das wichtigste ist, man bewegt sich.

Was ist Deine Musik?
Früher war es Disko, später Police und New Wave. Dazwischen auch mal Tekkno. Heute ist es mittlerweile alles, was Groove hat. Das kann Blasmusik sein, oder ThaiMusik. Es muss nur grooven. Was ich hasse, ist Rap. Da muss ich kotzen. Das ganze Gangster-Gedöns mag ich nicht.

Hast Du ein Lebensmotto?
Ja: Mach locker Modell! Man kann sich aufregen, aber man sollte locker machen. Ich komm‘ zwar manchmal gestresst rüber, aber eigentlich bin ich ganz entspannt, wenn alles gut ist.

Interview: David Gutsche   Foto: Jana Kay

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