| | 5 Kommentare

Inter 1 Wohnheim wird abgerissen – Medienhaus entsteht woanders

aus der Allgemeinen Zeitung von Paul Lassay:

Seit vielen Jahrzehnten begrüßt und verabschiedet er die Autofahrer, die nach Mainz fahren und die Stadt verlassen. Und bald sagt er selbst nicht ganz leise „Servus“: Das 1966 eingeweihte Inter-I-Hochhaus auf dem Uni-Campus, fester Teil der Mainzer Silhouette, wird bald Geschichte sein, wie Dr. Stephan Weinberg, Staatssekretär im Finanzministerium, im Gespräch mit der AZ erklärt. Bis vor Kurzem war noch geplant, dass der ehemalige Wohnheimturm Teil des neuen Medienhauses wird. Doch nun habe man sich anders entschieden – mit Konsequenzen, nicht nur für das Hochhaus, sondern auch für das gegenüberliegende Haus Mainusch.

Betonqualität ist zu schlecht – Sanierung wäre zu teuer
Ursprünglich sah der Plan an dieser Stelle wie folgt aus: Das Inter-I-Hochhaus hätte in einem ersten Bauabschnitt zum Büro- und Seminargebäude des neuen Medienhauses umgebaut werden sollen, das aus zwei Häusern bestanden hätte. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, dort wo heute das Haus Mainusch steht, hätte das zweite Gebäude, das dazugehörige Technikhaus entstehen sollen. Doch die Bausubstanz des Inter I habe nun dazu geführt, „dass wir uns für das Medienhaus von dem Standort verabschieden mussten“, erklärt Weinberg. Nach der Räumung 2015 habe man das Hochhaus intensiv untersucht. Dabei sei festgestellt worden, dass eine Sanierung des Gebäudes nicht wirtschaftlich sei. Vor allem die Qualität des Betons aus den 60er Jahren sei zu schlecht, wodurch eine Sanierung zu teuer werden würde. Außerdem würden die Instandsetzung der Fassade und die Einrichtung moderner Brandschutzmaßnahmen sowie die Instandhaltung zu hohe Kosten verursachen.
„Dass es nicht einfach wird, war klar“, sagt Weinberg. „Aber dass der Beton so schlecht ist und der Sanierungsaufwand dadurch so hoch wäre, das war doch überraschend. Die Kosten einer Sanierung wären nicht zu rechtfertigen gewesen. Deshalb bleibe für das Hochhaus nur der Abriss, der vermutlich 2020 beginnen könnte. Dabei müsse das Haus von oben nach unten Stockwerk für Stockwerk abgebaut werden, da eine Sprengung an der Stelle nicht möglich sei. Die bisher vorgenommenen Arbeiten am Gebäude seien daher auch nicht vergebens gewesen, erklärt Weinberg. Die Schadstoffe, die bereits aus dem Gebäude geholt wurden, hätten beim Abriss ohnehin vorher gesondert entfernt werden müssen. Auf dem Grundstück könnten nach dem Abriss neue Möglichkeiten für zeitgemäßes studentisches Wohnen entstehen.

Neuer Standort für Medienhaus schon gefunden
Nachdem der Plan, das Medienhaus an dieser Stelle einzurichten, nun gescheitert sei, habe man aber bereits einen neuen Standort gefunden: Auf dem Areal westlich des Philosophicums zwischen Wittichweg, Friedrich-von-Pfeiffer-Weg und Jakob-Welder-Weg sollen die dort noch stehenden alten Institutsgebäude und Bedienstetenwohnhäuser abgerissen werden. Anschließend soll dort ab 2021/2022 das neue Medienhaus in einem neuen Gebäude errichtet werden. Welche Ausmaße das neue Gebäude haben werde, müsse die Nutzungsplanung ergeben, erklärt der Staatssekretär. „Wir wollen versuchen, möglichst viel aus der bisherigen Planung mitzunehmen.“

Im Gegensatz zu dem bisher geplanten Standort habe der nun anvisierte Platz den Vorteil, dass er näher am Zentrum des Campus liege, wo demnächst auch die sogenannte „Neue Mitte“ mit neuer Zentralbibliothek und Funktionsgebäuden entstehen soll. Auf der anderen Seite ist er weiter von der Hochschule entfernt, die auch an dem Gebäude beteiligt ist. Doch sowohl das Wissenschaftsministerium als auch die JGU und die Hochschule hätten den neuen Plänen zugestimmt, betont Weinberg. Der LBB, der zum Finanzministerium gehört, errichte die Gebäude schließlich nur – wie die Nutzungsanforderungen aussähen, legten die Partner fest.

Und was bedeutet das alles für das Haus Mainusch, das bisher dem Medienhaus weichen sollte? Die Schonfrist wird zum wiederholten Mal verlängert. Bis Ende Juni 2019 läuft die Duldung nun. Doch die Entscheidung für den neuen Standort bedeute nicht, dass das Haus bleiben werde, erklärt Weinberg. „Das Gelände wird weiter für Hochschulzwecke zur Verfügung stehen und Bestandteil der Bau-Masterplanung der Uni sein. Für die bauliche Entwicklung der Uni ist das Gelände sehr wichtig.“

5 Kommentare “Inter 1 Wohnheim wird abgerissen – Medienhaus entsteht woanders

  1. Das Projekt läuft ja „erst“ seit 8 Jahren.
    Keiner in der Politik wollte sich den Schuh anziehen.
    Wer 2015 feststellt, dass die Betonqualität zu schlecht ist und 3 Jahre später die Nachricht veröffentlicht hat definitiv Steuergelder verschwendet.

Comments are closed.