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IHK: Zwei Drittel der Unternehmen spüren Folgen des Krieges – Wirtschaft fürchtet Rückgang der Geschäfte

Im dritten Jahr der Corona-Pandemie stehen die Unternehmen in Rheinhessen mit dem Krieg in der Ukraine und den Sanktionen gegen Russland vor neuen Herausforderungen: Fast zwei Drittel der Betriebe in der Region sehen sich durch die Folgen des Krieges in der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung betroffen. Die Energie- und Rohstoffpreise stehen inzwischen an der Spitze der größten Zukunftsrisiken für die regionale Wirtschaft, vor allem in der Industrie ist der Wert nach oben geschnellt. Hinzu kommen gestörte Lieferketten und die hohen Inflationsraten. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen (IHK) zum Frühjahr 2022. So ist der Konjunkturklimaindex, Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region, von 119 Punkten bei der letzten Befragung zum Jahresanfang auf 99 Punkte gefallen.

„Pandemie, Krieg, Energiekrise – unsere Unternehmen kommen gar nicht mehr aus dem Krisenmanagement heraus“, sagt Peter Hähner, Präsident der IHK für Rheinhessen. „All diese globalen Themen haben ganz unmittelbaren Einfluss auf unsere regionale Wirtschaft.“ Vor allem die historisch hohen Energiepreise belasteten nahezu alle Branchen in Rheinhessen. Für 93 Prozent der Industriebetriebe seien sie sogar zum Risikofaktor Nummer 1 geworden: „Die Industrie war in der Pandemie die Stütze unserer regionalen Wirtschaft – jetzt gehen ihr die Energiepreise an die Substanz.“ Konkrete Schritte, um die Unternehmen zu entlasten und die Energieversorgung dauerhaft zu sichern, fordert IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz. „Dazu gehören kurzfristig zinsgünstige KfW-Kredite oder sogar Notfallzahlungen.“ Genehmigungsverfahren sollten beschleunigt werden, die Sicherheit beim Import von Energierohstoffen müsse eine deutlich höhere Priorität bekommen.

Krieg in der Ukraine belastet rheinhessische Wirtschaft

Die IHK-Konjunkturumfrage zeigt, vor welch enormen Herausforderungen der Krieg mit den Sanktionen gegen Russland und Belarus die exportorientierte Wirtschaft in Rheinhessen stellt. So erwirtschafteten die Unternehmen im Jahr 2021 54,7 Prozent ihres Umsatzes durch den Export. „Jetzt sind Handelsbeziehungen, Lieferketten sowie Zahlungsverkehre empfindlich gestört“, stellt IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz fest.

Auf die Frage, ob der Krieg in der Ukraine bisher negative Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit habe, berichten 27 Prozent der Unternehmen in Rheinhessen von starken und 36 Prozent von moderaten Auswirkungen. 37 Prozent melden keine spürbaren Folgen. Besonders betroffen ist die Industrie – hier müssen 38 Prozent der Betriebe starke und 37 Prozent moderate Effekte auf ihre Geschäfte verkraften.

Geschäftslage, Erwartungen und Investitionspläne sind verhalten

Nachdem die Wirtschaftslage der Unternehmen in Rheinhessen bei den vergangenen beiden Befragungen insgesamt stabil war, fallen die Ergebnisse zum Frühjahr 2022 etwas schlechter aus: 36 Prozent melden eine gute, 50 Prozent eine befriedigende und 14 Prozent eine schlechte Geschäftslage. Die Einschätzungen der Geschäftsentwicklung für die kommenden zwölf Monate sind verhalten: 17 Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften, 46 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus und 37 Prozent befürchten einen Rückgang.

Energie- und Rohstoffpreise sind größtes Risiko für Wirtschaftsentwicklung

Bei der Frage nach den größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens in den kommenden zwölf Monaten führen jetzt mit 79 Prozent die Energie- und Rohstoffpreise die Liste an. 66 Prozent der befragten Betriebe sind wegen den weiteren Auswirkungen des Ukrainekriegs auf die wirtschaftliche Entwicklung besorgt und 58 Prozent der Unternehmen macht der Fachkräftemangel zu schaffen. Das Risiko der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie wurde zum Jahresanfang 2022 noch von 63 Prozent der Betriebe genannt und geht jetzt auf 42 Prozent zurück.

 Bedarf an Fachkräften weiterhin hoch
Trotz der Verunsicherung durch den Ukrainekrieg und die Folgen für die Wirtschaft, ist der Bedarf an Fachkräften weiterhin hoch und die Unternehmen halten an ihren Mitarbeitern fest. 20 Prozent der Betriebe planen für die kommenden zwölf Monate ihren Personalstamm auszubauen, 65 Prozent der Unternehmen gehen von gleichbleibenden Beschäftigtenzahlen aus und 15 Prozent werden ihre Mitarbeiterzahl reduzieren.

 Industrie blickt besorgt in die Zukunft

Durch die starke internationale Vernetzung und den hohen Energiebedarf ist die Industrie besonders von den drohenden Versorgungsengpässen mit Gas und Öl sowie den gestörten Handelsbeziehungen betroffen – das zeigen die Rückmeldungen zur aktuellen Geschäftslage: 29 Prozent der Industriebetriebe in Rheinhessen bezeichnen ihre Lage als gut, 60 Prozent als befriedigend und 11 Prozent als schlecht. Während der Klimaindex der rheinhessischen Industrie zum Jahresbeginn 2022 mit 126 Punkten deutlich höher als im Durchschnitt aller Unternehmen lag, ist er jetzt auf 83 Punkte gesunken. Grund ist der besorgte Blick auf die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate: Nur noch 8 Prozent der Industriebetriebe rechnen mit besseren Geschäften, 43 Prozent kalkulieren mit einer gleichbleibenden Entwicklung und 49 Prozent befürchten einen Rückgang.

Ha­­­ndel spürt Konsumzurückhaltung

Die unsicheren Zukunftsaussichten, die hohe Inflation und die Konsumzurückhaltung der Kunden bekommt auch der Handel zu spüren. 28 Prozent der befragten Einzel- und Großhandelsunternehmen in Rheinhessen sprechen von einer guten aktuellen Geschäftslage, 51 Prozent von einer befriedigenden und 21 Prozent von einer schlechten Situation. Die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate sind getrübt: Nur 11 Prozent der Betriebe hoffen auf bessere Geschäfte, 39 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Lage und 50 Prozent denken, dass die Geschäfte schlechter laufen werden.

Dienstleister profitieren von gelockerten Coronamaßnahmen

Die befragten Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor äußern sich positiv zu den gelockerten Coronamaßnahmen, die Befragungsergebnisse fallen besser aus als in den anderen Branchen. So melden 45 Prozent der Betriebe eine gute aktuelle Geschäftslage zurück, 43 eine befriedigende und 12 Prozent eine schlechte Situation. Die Dienstleister hoffen auf Nachholeffekte bei aufgeschobenen Projekten – für die nächsten zwölf Monate rechnen 27 Prozent mit besseren Geschäften, 51 Prozent mit keiner Veränderung und 22 Prozent mit schlechteren Aussichten.

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