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Das sensor 2×5 Interview mit Citymanagerin Sandra Klima

Liebe Frau Klima, Citymanagement Mainz – Was ist das eigentlich?
Mainz Citymanagement e.V. ist ein Verein mit ca. 150 Mitgliedern mit dem Ziel, die Innenstadt zu fördern. Unsere Mitglieder kommen überwiegend aus Mainz aus den unterschiedlichsten Branchen und Institutionen. Wir kooperieren mit weiteren Vereinen der Stadt, etwa der Mainzer Werbegemeinschaft, dem Verkehrsverein, Mainz in Rheinhessen u. v. m. Unsere Vereinsvorsitzende ist Anja Obermann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Rheinhessen. Dabei ist aber auch u. a. Jan Sebastian, der Präsident des Handelsverbandes, die IHK, PMG, MAG, mainzplus… Viele Beteiligte, die für das Thema Innenstadt brennen.

Was kann man gerade tun für die Innenstadt?
Wir versuchen, Impulse zu setzen und Menschen und Organisationen zu verbinden. Der Sommer mit seinen Lockerungen ist da. Wir müssen aber jetzt schauen, was wir im Herbst für den Handel, die Gastronomie und die Kultur tun können: Wie können wir möglichst viel offen halten? Wo sollten Konzepte verbessert werden? Da sind wir auf die Politik angewiesen. Ansonsten braucht der Handel vor allem viel Frequenz. Leerstände müssen bespielt werden. Wir müssen wieder eine Visitenkarte für die Stadt schaffen. Dabei verändert sich vieles: Mobilität, Logistik. Vieles davon wird sich erst in den nächsten Wochen und Monaten, sogar Jahren zeigen.

Wie sieht es mit Leerständen aktuell aus?
Momentan steht relativ wenig leer. Das eine oder andere Geschäft wurde aufgegeben, einiges davon auch altersbedingt. Allerdings ist absehbar, dass die Leerstände zunehmen. Der Handel beklagt Umsatzeinbrüche von 40 bis 50 Prozent. Das reicht oft nur, um die Betriebskosten zu decken, in der Gewinnzone ist da noch niemand. Die staatlichen Hilfen laufen zudem aus. Auch kann noch niemand sagen, wie sich das Kaufverhalten entwickelt. Es gab kein Weihnachtsgeschäft, kein Ostergeschäft, das ist für viele eine schwierige Situation, auch, wenn es Gewinner gab: Fahrradhändler, Gartencenter, Baumärkte und der Food-Bereich liefen sehr gut. Wer einen Lieferservice anbieten konnte, konnte punkten. Aber wenn man sich den Non-Food-Bereich anschaut, stellt man fest, dass sich niemand ein Kleid oder einen Anzug fürs Büro während der Homeoffice-Zeit kauft.

Was kann man noch tun, um den Handel zu stützen?
Aktionen, wie verkaufsoffene Sonntage, sind leider gerade nicht möglich. Daher sind alle noch am Schauen und es gibt viel Unsicherheit. Dezentral kann man einiges machen, hier und dort kleinere Sachen und Events. Wir pushen aktuell vor allem unsere sogenannten „Sympathieaktionen“ wie Kaffee aufs Haus, Parken aufs Haus, Stadtgutscheine mit KeepLocal, Heimatschatz und Mainzgebracht. Das Thema Digitalisierung ist weiter relevant. Zudem müssen Leerstände bespielt werden, etwa mit Pop-ups, so wie in der lulu. Hierfür haben wir viele Ideen, die wir auch für das Förderprogramm der Stadt „Mainz startet durch 2021“ eingereicht haben. Und wir sollten auch schon für die Winterzeit planen.

Was halten Sie vom Mainzer Tripol- und Zentrenkonzept?
Das Tripolkonzept berücksichtigt vor allem den Einkaufsbereich Römerpassage, den Brand und die Ludwigsstraße als Haupt-Shopping-Bereich. Leider werden dadurch die Schillerstraße und Große Bleiche vernachlässigt. Da besteht Aufwertungsbedarf, etwa über LEAP bzw. BID-Konzepte. Das Zentrenkonzept stützt den Handel in der Innenstadt und schützt diesen davor, dass größerer zentren-relevanter Handel auf die grüne Wiese kommt. Ich halte es für wichtig, dieses Konzept beizubehalten.

MENSCH

Wo kommen Sie ursprünglich her?
Ich bin in Hamburg aufgewachsen und habe dort auch meine Ausbildung zur Fachwirtin der Wohnungs- und Grundstückswirtschaft absolviert. In der Folge betreute ich diverse Fachmarktcentren in Deutschland. 2001 wurde ich als Center-Managerin nach Frankfurt in die Zeil Galerie geholt. Ab Juni 2008 habe ich danach in Mainz die Römerpassage 13 Jahre lang als Centermanagerin geleitet. Währenddessen engagierte ich mich bereits im Vorstand der Werbegemeinschaft und Mainz Citymanagement. So ist es schließlich dazu gekommen, dass ich gefragt wurde, ob ich den Posten der Mainzer Citymanagerin übernehmen würde.

Sind Sie gern unterwegs?
Beruflich: Nein. Als ich 2001 nach Frankfurt zog, befand sich mein Freundeskreis weiterhin in Hamburg. Ich fuhr lange Zeit jedes Wochenende dorthin – doch die langen Autofahrten sind auf Dauer anstrengend. Im Regelfall sind Centermanager viel unterwegs; ich war froh, dass mir dies überwiegend erspart geblieben ist. Nun arbeite ich schon so lange in Mainz und fühle mich hier sehr wohl. Mir gefällt die Region, es wird früher warm und später kalt als in Hamburg. Besonders schätze ich die Geselligkeit, die Herzlichkeit und die offene, bodenständige Art der Mainzer. Die Weinregion ist schön, dafür hat man oben natürlich die Nordsee. Aber meine Familie wohnt noch da und die besuche ich auch häufig.

Wie haben Sie die Corona-Zeit bisher persönlich wahrgenommen?
Nach einem Jahr Corona war es, wie für die meisten, doch sehr anstrengend! Auch ich hatte meine beiden Kinder, neben dem Job, im Homeschooling. Ausflüge, Klassenfahrten, AGs – alles, was Kindern Spaß macht, ist ausgefallen. Meine Tochter hat geweint, als die Verlängerung des Lockdowns im Frühjahr beschlossen und der Wechselunterricht aufgehoben wurde. Für die Kinder war es schwierig, sich auf die Homeschooling- Umstände einzustellen. Der Druck, den Stoff zu lernen, sich Informationen selbst besorgen zu müssen, ist für Viertund Fünftklässler ausgesprochen schlecht zu handlen. Irgendwann fing auch bei uns der Frust an. Dem muss man entgegenwirken und sich gut organisieren. Da mein Job mir Spaß macht, die Kinder älter werden und jetzt zum Glück die Betreuungsangebote wieder zugenommen haben, funktioniert der Alltag gut. Die begonnenen Lockerungen sind auf jeden Fall eine große Erleichterung.

Haben Sie sonst noch Hobbies?
Wir gehen viel spazieren, wandern und ich treibe Sport. Gerne erkunden wir zu Fuß die nähere und entferntere Umgebung. Die Wisper-Trails haben wir während der Pandemie für uns entdeckt. Die Wege sind superschön und sehr gut gekennzeichnet. Auch die Drei-Burgentour im Taunus hat uns gut gefallen – da gibt’s schon großartige Sachen in der Umgebung. So haben wir die Gegend in letzter Zeit nochmal neu kennengelernt.

Spiel das Thema Feminismus in Ihrem Job eine Rolle?
Als ich 1996 in der Immobilienbranche angefangen habe, war diese sehr von Männern dominiert – dies hat sich heute relativiert. Ich selbst musste keine Nachteile erfahren, bin mir jedoch bewusst, dass ich nicht der Regelfall bin. Wenn ich eine klare Vorstellung habe, dann kann ich diese auch kundtun. Insgesamt nehme ich wahr, dass viele Dinge vielfältiger und liberaler geworden sind. Die Diskussion darüber hat mich selbst nie betroffen, jedoch ist mir bewusst, dass hier der Weg noch nicht zu Ende gegangen ist.

Interview David Gutsche
Foto Jana Kay

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