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Brandschutz-Mängel im Allianzhaus in Mainz: Baudezernentin sieht keine Gefahr im Verzug

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Aus der Allgemeinen Zeitung von Monika Nellessen

Im Falle des „Schon Schön“ sieht Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) keine Gefahr im Verzug, die sofortige bauaufsichtsrechtliche Maßnahmen rechtfertigen würde. „Wir haben durch eine anwaltliche Stellungnahme der MAG den Handlungsauftrag erhalten, die brandschutzrechtliche Sachlage zu prüfen.“ Dies werde jetzt nach Aktenlage abgearbeitet.

Zwischenzeitlich seien Vermieter und Mieter für die Sicherheit im Gebäude verantwortlich, betonte Grosse. Zugleich ließ sie durchblicken, sie sei vom Vorgehen der MAG irritiert. „Die Sachlage ist ja nicht einzigartig. Wir haben auch bei städtischen Liegenschaften immer wieder die Situation, dass beim Brandschutz nachgebessert werden muss.“

„Wir haben große Tische“

Im Regelfall gebe es eine gemeinsame Begehung mit dem Mieter, anschließend werde ein Brandschutzplan erarbeitet, welche Maßnahme nach welcher Dringlichkeit abzuarbeiten sei. „Das ist hier leider nicht passiert, aber wir haben große Tische, um alle Beteiligten samt ihrer Rechtsbeistände bei uns zu versammeln“, so Grosse. Für die SPD-Ratsfraktion erklärte Fraktionschef Dr. Eckart Lensch, die SPD erwarte den Weiterbetrieb des „Schon Schön“ im Allianzhaus, indem die MAG mit den Mietern eine einvernehmliche Lösung finde. Grundsätzlich gelte: „Dass Eigentümer versuchen, mittels Auflagen und Nutzungsuntersagungen Mieter aus laufenden Verträgen zu verdrängen, ist ein Gebaren wie wir es von privaten Investoren-Heuschrecken kennen. Ein solches Vorgehen ist mit den grundsätzlichen Aufgaben und Geschäftszielen einer stadtnahen Gesellschaft nicht vereinbar.“

Klubbesitzer Norbert Schön betonte, er sei bereit, zur Beseitigung aller brandschutzrechtlichen Defizite beizutragen. „Insofern bin ich der MAG für die ausführliche Expertise dankbar.“ Nach wie vor offen sei für ihn aber, inwieweit sich die Kosten zwischen Vermietern und Mietern aufteilten. „Beim Brandschutz sehe ich auch den Eigentümer in der Pflicht.“ Schließlich seien schon seine Vermieter Ewald Krummeck und Joachim Goebel, von denen er das „Schon Schön“ 2010 in Untermiete übernahm, als einstige Gastronomen in ein „marodes Gebäude“ gezogen.

Schön: „Ich habe an Leitungen und Lüftungsschächten nichts verändert, meine Vermieter sagen dasselbe.“ Goebel widersprach auf AZ-Anfrage energisch der MAG-Darstellung, er und Krummeck hätten von der „Allianz“ einen Baukostenzuschuss von 100.000 Euro bekommen und sich im Gegenzug zur Instandhaltung und jährlichen Wartung verpflichtet. Ihnen sei bloß ein Zuschuss zum Umbau des früheren Kiosks in ein Café zugesagt worden. Der sei aber nicht ausgezahlt worden, sondern sie seien selbst mit rund 15.000 Euro in Vorlage getreten – die „Allianz“ habe im Gegenzug auf zwei Monatsmieten verzichtet.

Alternativstandorte bislang nicht praktikabel

Schön betonte, er sei wie die MAG an Einvernehmen interessiert. Allein schon deshalb, weil sein Mietvertrag nicht nur bis 2020 gelte. Er habe eine Option auf weitere fünf Jahre, die er auch gezogen habe. Bevor die MAG das Allianzhaus gekauft hätte, seien mehrere andere Kaufinteressenten auf ihn zugekommen und hätten sich nach Vertrags- und Interessenlage erkundigt. Danach hätten diese Interessenten vom Kauf Abstand genommen. Die MAG erklärt dagegen, sie habe das Allianzhaus zum baldmöglichen Abriss erworben – trotz vorhandener Mietverhältnisse.

Die von der MAG angebotenen Alternativstandorte seien aus seiner Sicht nicht praktikabel gewesen, so Schön. Konkret sei es um die leer stehenden Spielbank-Räume unter dem Hilton gegangen. „Dies war aus Lärmschutzgründen nicht denkbar.“ Ebenfalls sei ihm das Dachgeschoss im Parkhaus Cityport angeboten worden. Auch diese Location sei wenig sinnvoll. Kürzlich hatte die MAG Probleme mit Jugendlichen beklagt, die illegal in Parkhäusern feiern und teure Schäden in Treppenhäusern und auf Parkdecks anrichten.

Da auch er auf Brandschutz achte, so Schön, habe er die MAG übrigens gebeten, sich um nicht ordnungsgemäß gewartete Feuerlöscher in der Tiefgarage des Allianzhauses zu kümmern. Bislang seien seine Hinweise leider ohne Erfolg geblieben. Aber vielleicht gebe es ja noch eine Wartung, bevor MAG-Geschäftsführer Christian von der Lühe und dessen Kanzlei in den nächsten Tagen aus dem Allianzhaus auszögen.

 

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