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2×5 Fragen an Norbert Schön (Inhaber Kulturclub “schon schön”)


Interview: David Gutsche, Foto: Ramon Haindl

Du bist bekannt geworden durch das legendäre Schick & Schön, Anfang 2002. Wie siehst du die Zeit im Nachhinein?
Ich bin da ja eher rein gestolpert. Mein damaliger Partner Gerrit Schick und ich waren zusammen in Spanien und er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm einen Club aufzumachen. Und ich hatte nicht wirklich Bock auf mein Biostudium und deswegen war es sofort ein JA GERN! Irgendwann war diese Partylocation am Südbahnhof zu vermieten und dann haben wir angefangen, dort Partys zu machen. Wir hatten umgebaut, eine Kneipenkonzession und plötzlich ging’s bergauf. Das war eine intensive Zeit mit vielen schönen Momenten, aber auch vielen Problemen.

Irgendwann wurde der Südbahnhof umgebaut und ihr seid in der Kneipe „Coupé 70“ auf der Kaiserstraße gelandet. Das lief einige Zeit, dann aber habt ihr euch getrennt. Warum das?
Im Sommer 2010 hat sich herausgestellt, dass wir uns beide auseinander gelebt hatten. Das ist natürlich schade, aber so ist das bei jeder Ehe und Beziehung: Man hat viele Erinnerungen zusammen, aber man muss auch in die Zukunft schauen. Wenn man das Gefühl hat, dass es nicht mehr stimmig ist und jeder seinen eigenen Weg gehen muss, dann muss man das auch machen.

Du hast dir dann was Neues gesucht und auch gefunden auf der Großen Bleiche: den Kulturclub schon schön. Wie fühlt es sich an, nun alleine Chef zu sein und welches Konzept verfolgst Du?
Alleine Chef zu sein war erst schon ein bisschen komisch. Mittlerweile fühle ich mich aber wohl. Ich bin ein kommunikativer Mensch. Meine beiden Geschäftsführer Florian und Sascha sind im Prinzip meine Partner. Das Konzept knüpft nahtlos an den Südbahnhof an – Partylocation mit Kulturbetrieb. Wir haben viele Konzerte und Lesungen, Disco- und Kunstveranstaltungen, dienstags einen reinen Bandtag – kostenlos, wie montags auch der Jazz – und am Wochenende gemischtes Programm.

Vor einem Jahr hat deine Frau Maribel nebendran ein kleines Café eröffnet. Was treibt ihr dort?
Das Café Blumen ist ein offener Ort, wo man rausgucken kann und wo immer was passiert. Dort bekommt man einen guten Kaffee, Kuchen, leckere Suppen und Focaccias, sogar nachts! Im Sommer haben wir zudem eine große, lebendige Terrasse. Das Ganze hat für mich einen großstädtischen Charakter.

Was ist dir wichtig in puncto Atmosphäre und Mitarbeiter?
Ich verstehe Gastronomie so, wie jemanden zu Hause zu bewirten. Man freut sich, mit dem Gast zu kommunizieren und Zeit zu verbringen. In dem Zusammenhang finde ich es wichtig, dass meine Mitarbeiter offene, sympathische und kontaktfreudige Menschen sind, die auch untereinander gut klar kommen. Jeder muss und soll sich einbringen. Das Team ist der „Gastgeber“ und muss harmonieren, denn die Lust und Freude am Feiern setzt sich über die Theke hinweg durch den ganzen Club fort.

Mensch

Gehst du selbst noch viel aus?
Weniger und anders als früher. In den letzten Jahren hat sich das bei mir so verschoben, dass es mir mehr um Kommunikation geht. Dass man sich trifft und unterhalten kann. Ich brauche auch mehr Ruhephasen als früher. Und dann gibt es Phasen, da bin ich sehr extrovertiert, dann geh ich viel raus und bin unterwegs.

Was machst du sonst noch neben der Arbeit?
Vor zehn Jahren hab ich mal einen Schnupperkurs im Gleitschirmfliegen gemacht, das ist mir letztens wieder eingefallen. Diesen Sommer hab ich die Ausbildung fertig gemacht. Die Faszination für die Fliegerei war schon immer mein Ding. Beim Gleitschirmfliegen bist du total unabhängig. Du brauchst einen Startplatz und günstiges Wetter. Aber dann bist du alleine mit dir in der Luft, wirklich frei. Geil!

Du warst auch viel in der Welt unterwegs, unter anderem in Kommunen. Was sind deine Lieblingsziele?
Momentan hätte ich Lust auf Ostafrika. Da war ich vor zehn Jahren mit Hartmut Heller. Wir haben Naturvölker besucht, die Hadzabe, ein Jäger- und Sammlervolk. Das war spannend und ist eine interessante Welt. Grandiose Naturlandschaften, große Armut, aber trotzdem freundliche und optimistische Menschen. Und in Gemeinschaften habe ich auch viel Zeit mit Sinnsuche und Selbsterfahrung verbracht. Ich war hauptsächlich im ZEGG bei Berlin, ein toller Platz. Da zieht es mich wieder hin.

Was bedeutet Glück für dich?
Ein wichtiger Bestandteil ist für mich Freiheit, in allen möglichen Beziehungen. Das kollidiert natürlich manchmal auch mit unseren Gesellschaftsnormen. Aber ich hatte bisher immer das Glück im Leben, dass ich es einrichten konnte, ein großes Maß an Freiheit zu haben. Es gibt immer Phasen, in denen man etwas dafür tun muss, dass man die Freiheit behält oder wieder zurück erlangt. Aber das gehört dazu. Das ist das Wichtige: dass man nicht nur fixiert ist auf seine Glückssuche. Es gibt auch harte Phasen im Leben, in denen man was erreichen und sich durchkämpfen muss und nicht zu sehr dieses Freiheitsglücksideal verfolgen sollte. Manchmal stehen eben auch andere Dinge an, die man erledigen muss, um dann wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Das sieht man aber meistens erst im Nachhinein so. Ein weiterer großer Bestandteil zum Glück sind für mich Menschen, Kommunikation und Liebe: zu meiner Frau, meinen Kindern, zur Natur und anderen Menschen. Und ganz wichtig zu einem Selbst!

Hast du ein Lebensmotto?
Eher eine Lebensphilosophie. Ich glaube, dass man alles erreichen kann, wenn man nur daran glaubt. Wo ein Glaube ist, da werden einem Türen und Tore geöffnet, so dass man es leichter schafft. Man muss aber trotzdem noch arbeiten. Es wird einem nichts geschenkt. Aber es liegt viel an der eigenen Einstellung zu seinen Möglichkeiten. Oft hat man das Gefühl, die Schranken sind außerhalb, aber sie sind eigentlich immer in deinem eigenen Kopf. Ein weiter Leitspruch ist: So wie es in den Wald reinschallt, so schallt es wieder raus. Wenn ich möchte, dass mich Leute auf eine bestimmte Weise behandeln, dann muss ich mit meinen Mitmenschen auch entsprechend umgehen. Anstatt mit der Ungerechtigkeit der Welt zu sehr zu hadern, sollten wir lieber schauen, was kann ich im Alltag selbst dazu beitragen, dass die Welt ein besserer Platz wird. Und ein drittes Lebensmotto: Es gibt eigentlich keine schlechten Erfahrungen im Leben. Alles ist im Endeffekt positiv, man hat nur oft noch nicht den nötigen Weitblick, es zu erkennen.