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Schule schwänzen für das Klima? – Nächste Fridays For Future Demo am 15. März (Hbf)

Ein Freitag im Februar, kurz nach 10 Uhr vor dem Rabanus-Maurus- Gymnasium. Schüler protestieren lautstark gegen den Klimawandel, für einen schnelleren Kohleausstieg und eine ökologischere Zukunft: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut!“ ist einer der Rufe, die am meisten skandiert werden. Ganz emissionsfrei geht es aber auch hier nicht ab: Hinter der provisorischen Bühne tuckert ein kleiner Benzingenerator sich hin, der die Lautsprecheranlage mit Strom versorgt.

Die Bewegung von Bildungsstreiks für besseres Klima gewinnt international und auch deutschlandweit zunehmend an Fahrt – inspiriert von der 16-jährigen Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden, die seit August 2018 freitags gegen die Klimaerwärmung protestiert anstatt zur Schule zu gehen. Das „stärkste Mädchen der Welt“ gilt mittlerweile als Ikone der Klima-Bewegung.

Die Botschaft: Ihr sollt in Panik geraten

„Ich will, dass ihr in Panik geratet“, appellierte Greta auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos an die versammelte Wirtschaftselite. „Verhaltet euch, als stünde euer Haus in Flammen. Denn das tut es“. Diese und ähnliche Botschaften transportieren die Schüler auch auf ihren Streiks. Sie wollen Klimagerechtigkeit, sofort: den Kohleausstieg deutlich vor 2038, mehr erneuerbare Energien, eine Förderung des ÖPNV, weniger Plastik und mehr Nachhaltigkeit. Fragt man die jungen Demonstranten nach ihren eigenen Beiträgen, geben viele an, auch selbst Verantwortung zu übernehmen. Sie nennen vegetarische oder vegane Ernährung, Verzicht auf Plastik, Nutzung von Fahrrad und ÖPNV und den Kauf von regionalen und saisonalen Produkten. Ein Totalverzicht beispielsweise auf Flugreisen oder importiertes Obst geht vielen aber doch zu weit. Ökologisch und klimatisch richtiges Verhalten, da sind sich die meisten einig, müsste durch positive Anreize und Subventionen erreicht werden, nicht durch Verbote und Druck von oben.

Zeitpunkt der Demos erhöht den Druck

Die Schüler-Demos finden nicht umsonst zur Unterrichtszeit statt – genau wie der Schulstreik von Vorbildfigur Greta. Schule zu schwänzen ist Teil des Konzepts, denn es geht um Provokation und Aufmerksamkeit. Hessens Kultusminister Alexander Lorz hat dazu Stellung bezogen: „Das Engagement der Schüler für den Klimaschutz recht- fertigt nicht das Fernbleiben vom Unterricht“. Zugleich räumt Lorz aber ein, dass die Demos womöglich gerade deshalb solche Aufmerksamkeit genießen. Ähnlich sieht es auch Klaus Peter Hammer, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Rheinland-Pfalz: „Diese jungen Leute machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Sie wollen Druck erzeugen, und das kann ich verstehen und begrüße ich.“ Das Streikrecht sollte neu verhandelt werden, so Hammer. Die Schülerstreiks seien dafür ein guter Katalysator. Und sie beeindrucken auch die älteren Generationen. Bei der Kundgebung in Wiesbaden lauschte die 81-jährige Fernsehreporter-Legende Wolf von Lojewski. Zu einem sensor-Onlinebeitrag schrieb ein Rentner: „Ich will dazu beitragen Ort und Zeitpunkt der wöchentlichen Demos bekanntzumachen und Rentner/Ruheständler dazu einzuladen. Ruft mich an!“

Text Maximilian Wegener Fotos Stephan Dinges

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