Zum Inhalt springen
|

Mario Adorf bleibt in Erinnerung

Jörg Koch: Zum Tod von Mario Adorf 

 

Mit 95 Jahren stirbt kein Mensch „plötzlich und unerwartet“ – und dennoch kam die Nachricht vom Tod Mario Adorfs überraschend. Bis zuletzt war der Schauspieler mit dem vollen weißen Haar und der markanten Stimme geistig fit und präsent. Sein jahrzehntelanges, vielseitiges Schaffen als Filmschauspieler, Hörbuch- und Synchronsprecher hat allseits Bewunderung und Anerkennung hervorgerufen.

Foto: Rudolf Uhrig

Zu Rheinland-Pfalz und insbesondere Mainz hat der internationale Star eine besondere Beziehung. Als Kind einer Deutschen und eines Italieners wurde er 1930 zwar in Zürich geboren, doch wuchs er in dem Eifelstädtchen Mayen bei der alleinerziehenden Mutter auf. Ab 1950 studierte er an der Universität Mainz Literatur- und Musikgeschichte, Philosophie und Theaterwissenschaften, hier auch machte er erste Theatererfahrungen. In den Semesterferien 1951 und 1961 jobbte er beim Glashersteller Schott. Auch zu Worms bestand ein besonderes Verhältnis. Er gehörte zu den Initiatoren der Nibelungenfestspiele und zu den Mitwirkenden der allerersten Aufführung im Juli 2002. Auf der Südseite des Domes inszeniert, übernahm Adorf in Moritz Rinkes Stück die Rolle des grimmigen Hagen. Bei der ebenso erfolgreichen Wiederaufnahme der Nibelungen 2003 sprach er den Prolog. Diese beiden Auftritte sind bis heute unvergessen. Bei der Uraufführung war Adorf ein international bekannter und anerkannter Schauspieler, 72 Jahre alt und noch immer voller Tatendrang. Der Beginn seiner Schauspielkarriere lag da bereits 50 Jahre zurück: 1953 arbeitete er am Schauspielhaus Zürich, es folgten eine professionelle Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München und Engagements an den Münchner Kammerspielen.

Seinen ersten Filmauftritt hatte Adorf 1954 als Gefreiter Wagner in „08/15“, seitdem spielte er in rund 220 Filmen, zunächst Neben- und Schurkenrollen, später wurden die Filme auf ihn zugeschnitten, er übernahm Hauptrollen und verkörperte nun den mächtigen Patriarchen. Wie kaum ein anderer war er bis ins hohe Alter hinein auf der Bühne, im Film und Rundfunk präsent, er zählte zu den profiliertesten und meistbeschäftigten deutschen Schauspielern. Zahlreiche Filme gehören zu den Meilensteinen der Film- und Fernsehgeschichte, etwa „Das Mädchen Rosemarie“ (1958), „Winnetou“ (1963), „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975) und „Die Blechtrommel“ (1979), „Kir Royal“ und „Momo“ (beide 1986), „Der große Bellheim“ (1993), „Die Affäre Semmeling“ (2002) oder „Der letzte Patriarch“ (2010) und „Altersglühen – Speed Dating für Senioren“ (2014) – um nur wenige Höhepunkte aus jedem Jahrzehnt zu nennen. Zu seinen Wunschrollen gehört auch die meisterhaft zelebrierte Hauptrolle in „Karl Marx – der deutsche Prophet“ (2018).

Mario Adorf ist mit seinem Publikum alt geworden und gerade diese Wandlungsfähigkeit hat ihn viele Jahre jung gehalten. Er hat sich, so sagte er in dem Dokumentarfilm „Es hätte schlimmer kommen können“ (2019), mit den Rollen nie identifiziert, sondern er hat sie dargestellt; dies sei das Geheimnis, der Erfolg seines anstrengenden Berufs gewesen. Eindrucksvoll ist auch die Liste seiner Ehrungen. Bereits 1958 als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet, wurden ihm alle deutschen Filmpreise verliehen, so die „Goldene Kamera“ für sein Lebenswerk (2012) und der „Bambi“ in der Kategorie Lebenswerk (2016). Aber auch mehrere Verdienstorden, die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Mayen (2001), der „Orden wider den tierischen Ernst“ (2009) oder die Ehrendoktorwürde der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (2010) zeugen von der Qualität seines Schaffens, seinem gesellschaftspolitischen Engagement und seiner allgemeinen Beliebtheit. Am 8. April verstarb Mario Adorf im Alter von 95 Jahren in seiner Pariser Wohnung.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert