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Jobcenter zur aktuellen Lage: Arbeitslosigkeit nimmt zu

v.l.: Priska Müller (Mainzer Mobilität), Heike Strack (Chefin der Mainzer Arbeitsagentur), Marc Salzmann (Geschäftsführer Jobcenter Mainz) und Sozialdezernent Eckart Lensch nahmen zur aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt Stellung

Nachdem die Zeichen am Mainzer Arbeitsmarkt nach zwei Jahren Corona seit Anfang des Jahres wieder deutlich auf Erholung gestanden hatten, spiegeln sich in den Junizahlen erstmals deutliche Auswirkungen des Krieges in der Ukraine wider.

Seit dem 1.Juni sind die Jobcenter für die Betreuung der Geflüchteten aus der Ukraine zuständig. Dies hat auch das Mainzer Jobcenter vor neue Herausforderungen gestellt. „Wir haben uns intensiv darauf vorbereitet, die Leistungen und die Betreuung für diese Menschen nahtlos sicherzustellen“, so Marc Salzmann, Leiter des Mainzer Jobcenters. „Am Anfang lag der Fokus zunächst auf der Sicherstellung der Leistungen zum Lebensunterhalt. Nun geht es darum, die Menschen individuell zu beraten, welche Schritte für eine Vermittlung in Arbeit gegangen werden müssen.“

Unkomplizierte Regeln für Arbeitserlaubnis
Laut Heike Strack, Vorsitzende Geschäftsführerin der Mainzer Arbeitsagentur, sind derzeit rund 700 erwerbsfähige Personen aus der Ukraine als Leistungsberechtigte beim Mainzer Jobcenter registriert. „Dabei handelt es sich vorwiegend um Frauen mit ihren Kindern.“, erklärt Strack. „Viele von ihnen haben vorübergehend eine Bleibe bei Privatpersonen gefunden und können oder wollen da nicht längere Zeit bleiben. Insofern geht es zunächst um die Frage einer längerfristigen Unterkunft.“ Das Thema der Arbeitserlaubnis sei durch den Gesetzgeber sehr unkompliziert geregelt. Insofern könne es, sobald der Aufenthaltstitel da sei, rechtlich gesehen grundsätzlich losgehen. Für eine Arbeitsaufnahme müsse aber auch die Betreuung der Kinder gesichert sein. Zudem müssten gegebenenfalls weitere Erlaubnisse, wie etwa eine Anerkennung des jeweiligen Berufs oder eine Approbation, abgewartet werden. Und natürlich gehe es zunächst um die Frage der Sprachkenntnisse. „Sprachkurse werden durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge angeboten und können von uns praktisch sofort vermittelt werden“, so Strack, „unabhängig davon, ob die Betroffenen längerfristig in Mainz wohnen bleiben.“

Für eine erste Orientierung gibt es für Menschen aus der Ukraine eine kostenlose Hotline in ihrer Muttersprache sowie die Webseite www.arbeitsagentur.de/ukraine, die direkt auf der Startseite der Homepage der Bundesagentur verortet ist.

Kindertagespflegestellen in der Stadt
Der Mainzer Sozialdezernent Dr. Eckart Lensch erklärt: „Als Kommune sind wir in vielerlei Hinsicht gefragt, was die Versorgung von aus der Ukraine geflüchteten Menschen angeht. Dazu gehört auch die Unterbringung derer, die bislang noch keine private Unterkunft gefunden haben, in Gemeinschaftsunterkünften. Ebenso wie die Betreuung von Kindern. Hier konnten wir bereits im April mit einem ersten Betreuungsangebot starten, das auf dem Modell der betrieblichen Kindertagespflege basiert. Der Kinderschutzbund ist dabei ein kompetenter Partner an unserer Seite. Mittlerweile gibt es bereits fünf Kindertagespflegestellen. Sehr erfolgreich haben wir zudem mehrere Veranstaltungen organisiert, in denen wir gemeinsam mit Kooperationspartner über Angebote in der Stadt Mainz im Bereich Bildung, Arbeit und Soziales informiert haben, um Menschen, die aus der Ukraine fliehen mussten, die Ankunft zu erleichtern.“

3.060 offene Stellen im Juni
Für Arbeitsuchende sind die Chancen laut Strack derzeit grundsätzlich gut. Denn trotz wieder ansteigender Corona-Zahlen und der weltweiten Unsicherheiten in Folge des Krieges in der Ukraine sei der Arbeitsmarkt nach wie vor sehr aufnahmefähig. War die Zahl der beim Jobcenter gemeldeten Arbeitslosen im ersten Coronajahr noch um knapp 9 Prozent und im zweiten Coronajahr um 2,6 Prozent gestiegen, so lagen die Zahlen im Mai 2022 mit rund 4.000 Arbeitslosen sogar unterhalb des Vorkrisenniveaus. Zahlreiche Arbeitslosmeldungen von Geflüchteten aus der Ukraine ließen die Zahlen im Juni zwar auf knapp 4.300 anstiegen, dennoch fällt der Vorjahresvergleich weiterhin positiv aus. Insgesamt sind im Jobcenter Mainz derzeit rund 11.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte registriert. Vor einem Jahr waren es noch rund 11.450 Personen.
Dass nach wie vor zahlreiche Betriebe nach Fachkräften suchen, zeigt ein Blick auf die offenen Stellen. Im Juni waren in Mainz rund 3.060 Stellen neu zu besetzen, gut 50 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Kooperationsprojekt mit Mainzer Mobilität
Nachdem Corona vor allem im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit deutliche Spuren hinterlassen hatte, sind auch hier die Zahlen seit Beginn des Jahres auf aktuell rund 2.000 zurückgegangen. Dennoch haben es Personen die schon längerfristig arbeitslos, sind schwerer als andere wieder eine neue Stelle zu finden, weiß Salzmann. Vor allem, wenn sie keine abgeschlossene Ausbildung haben. Ein weiterer Personenkreis, von dem es viele schwer haben am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sind Alleinerziehende. Ein beispielgebendes Projekt, wie Alleinerziehende erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert werden können, ist das Projekt „Frauen in Fahrt“ – eine Kooperation des Mainzer Jobcenters mit der Mainzer Mobilität. Im Rahmen des Projekts wurden drei Frauen in Teilzeit zu Straßenbahnfahrerinnen qualifiziert.

Landesregierung: Unterstützung durch Förderprogramme
„Es ist wichtig den Menschen aus der Ukraine bei der Integration in den rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkt zu helfen und weiteren Zielgruppen der Arbeitsmarktpolitik die benötigte Unterstützung anzubieten“, betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Arbeitsminister Alexander Schweitzer wies in diesem Kontext auf den großen Aufruf des „Europäischen Sozialfonds Plus“ für arbeitsmarktpolitische Projekte in den Bereichen Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf, Anpassung an die Transformation der Arbeitswelt, Fachkräftesicherung und Lebenslanges Lernen hin, der zu Beginn dieser Woche veröffentlicht wurde. So besteht für die Kommunen die Chance, sich im Förderansatz Jugendberufsagenturen Plus zu beteiligen, um im Rahmen eines Projektes die rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit von Arbeitsagenturen, Jobcentern, Jugendhilfe und Schulen weiter auf- und auszubauen. Ziel des Förderansatzes ist es, unversorgten Jugendlichen aus einer Hand die Unterstützung und Hilfe zukommen zu lassen, die sie für die Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt benötigen. Darüber hinaus wird mit „JobAction“ ein Förderprogramm aufgerufen, das mit Hilfe gezielter Motivations- und Projektarbeit auf die Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen mit konkreten Vermittlungshemmnissen hinwirken soll.

Zur Anpassung an die Transformation der Arbeitswelt hat das Arbeitsministerium zudem das Förderprogramm „Unterstützung von Transformationsprozessen“ entwickelt. Im Rahmen dieses Programms sollen Projekte gefördert werden, die Erwerbstätige dabei unterstützen, zu erkennen, welche konkreten Herausforderungen aus der Transformation resultieren, welche praxisnahen Veränderungen in ihrem beruflichen Umfeld beziehungsweise Betrieb erforderlich sind und wie die notwendigen Anpassungen parallel zum Arbeits- und Betriebsalltag eingeleitet und nachhaltig implementiert werden können.

Schwerpunkt Pflege
Im Bereich der Fachkräftesicherung legt das Arbeitsministerium einen Schwerpunkt auf die Krankenpflegehilfeausbildung. Ziel des Förderprogramms „Assistierte Ausbildung“ in der Krankenpflegehilfe ist es, in Realschulen plus und Integrierten Gesamtschulen für die Krankenpflegehilfeausbildung zu werben und Interessierte beim Abschluss eines Ausbildungsvertrags mit einem Krankenhaus zu helfen. Außerdem sollen Auszubildende in der Krankpflegehilfe durch Stütz- und Förderunterricht und sozialpädagogisches Coaching dabei unterstützt werden, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Arbeitsminister Schweitzer betonte: „In einer sich schnell wandelnden Arbeitswelt ist es erforderlich, dass wir Jugendliche, die ohne Hilfe wenig Erfolgsaussichten haben, beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf unterstützen und Ausbildungsabbrüche vermeiden. Als wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Gestaltung der Transformation gilt es zudem, Fachkräfte zu qualifizieren und bei der Weiterbildung zu unterstützen. Meine Gespräche mit Beschäftigten, Betrieben sowie Arbeitsmarktpartnerinnen und -partnern bestätigen mir jedes Mal aufs Neue, dass es gerade hierfür einen großen Bedarf gibt.“

Der Projektaufruf sowie weitere Informationen zu den genannten und zu weiteren Förderprogrammen sind unter www.esf.rlp.de abrufbar. Die Projekte können mit 40 Prozent (stärker entwickelte Regionen) beziehungsweise 60 Prozent (Übergangsregion Trier) der förderfähigen Kosten aus Mitteln des ESF+ kofinanziert werden. Anmeldefrist für Projektvorschläge ist der 19. August 2022. Die Projekte sollen in der Zeit vom 1. Januar 2023 bis 30. Juni 2023 beginnen.

 

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