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Der große Test: E-Roller und E-Bikes

E-Mobilität ist derzeit angesagt. Nicht nur die Fahrräder, auch schmale und leichte Tretroller, sogenannte „E-Scooter“, mischen den Markt auf. Der Bundesrat stimmte im Mai ihrer Einführung in Deutschland zu. Die Verabschiedung des Gesetzes zieht sich allerdings noch ein paar Monate hin. Die Gefährte sind voraussichtlich ab Herbst für Jugendliche ab 14 Jahren erlaubt und sollen grundsätzlich auf Rad-, nicht aber auf Gehwegen fahren dürfen. Teilweise galten E-Scooter bisher als Mofas, mit grünen Klebekennzeichen. Sie lagen preislich bei 2.000 Euro aufwärts. Die öffentliche Nutzung war somit erlaubt, nur die anderer Roller, meist preisgünstig erhältlicher Modelle, war „illegal“. Doch der Markt ändert sich durch die neue Gesetzgebung gravierend. Viele Roller werden bereits um die 300 Euro angeboten. Wir sind auf Tour gegangen, um die aktuelle „ELage“ zu begutachten, und haben verschiedene Varianten ausprobiert. Bei den E-Bikes sieht es übrigens anders aus: Es gibt bei „Pedelecs“ (Pedal Electric Cycles) mit Motorunterstützung bis 25 km/h weder Helm- noch Führerscheinpflicht. Dagegen ist für Fahrräder mit Elektroantrieb über 25 km/h (S-Pedelec) die rechtliche Gleichstellung mit dem Kleinkraftrad vorgesehen. Sie benötigen somit eine Betriebserlaubnis und sind versicherungs-, kennzeichen- und fahrerlaubnispflichtig.

Einfach rollen lassen

Sie sehen aus wie einfache Tretroller und ihre Motoren sind kaum wahrnehmbar. In vielen Städten gehören sie zum Stadtbild, bald sicherlich auch in Deutschland. Wir rechnen damit, dass Sharing-Dienste in den größeren Städten aufkommen werden. In Mainz gibt es bisher noch nicht so viele Händler, unter anderem aber das Fachgeschäft „E°Bike Company“ (Holzstraße 30) mit einem Modell von „Xiaomi“ aus China um 400 Euro. Diese Modelle findet man auch bei MediaMarkt und Saturn. Ein paar Schritte zum Antritt, ein Fuß hinten quer gestellt und per Gaspedal am Lenker losdüsen. Diese coolen Teile bereiten viel Vergnügen und sind leicht zu beherrschen. Wir haben auch den E-Roller „moover“ (knapp 2.000 Euro) getestet und waren begeistert. Wie praktisch dieses doch recht massive Teil im Alltag aber ist, um zwischen S-Bahn und Arbeitsplatz zu pendeln, lässt sich mit zweimal im Kreis fahren nicht beurteilen. Doch das Handling scheint zu passen. Die Geschwindigkeit von 20 km/h reicht jedenfalls völlig aus. In Geschäften wie dem „Wildwechsel“, oder auch bei „Cycle Planet“ (Holzhofstraße 34) und „Riesenrad“ (An der Goldgrube 4) finden sich hauptsächlich E-Bikes. Roller kommen wohl erst demnächst ins Sortiment. Bei den „Radgebern“ (Karmeliterplatz) ist uns vor allem das E-Produktspektrum im Bereich Familien- und Lastentransport aufgefallen. Sowas macht Spaß und ist gut für Gesundheit und Umwelt. „Zweiradservice Lehn“ (Hauptstraße 77) empfiehlt sich für Mombach, hat allerdings wenig Verkaufsfläche.

Trittbrettfahrer

Roller finden sich auch bei „Fahrrad- XXL Franz“ (Am Mombacher Kreisel). Erschlagend groß ist allerdings zuerst einmal die Auswahl im E-Bike Segment. Ob für 6.999 Euro ein E-Mountainbike des Herstellers „Scott“ oder Auslaufmodelle für unter 2.000 Euro, hier wird vieles geboten. Bei den Rollern / Scootern steht der E-Scooter „moover“ der Firma „Metz“ permanent zum Proberollern bereit. Er wiegt 16 kg, kommt vollgeladen 20 km weit und ist zusammenfaltbar. Manchen Trittbrettfahrer freut bei diesem, dass die Füße nebeneinander stehen können. Das gelingt kaum beim (ebenfalls im XXL erhältlichen) BMW „X2City“ für 2.399 Euro. Er wirkt etwas unpraktisch, auch da hinten per Fuß Gas gegeben wird. Bei vielen schmaleren Rollern ist für Füße nebeneinander kein Platz. Da steht also meist ein Fuß quer hinter dem anderen. Eine Geschmacks- und Funktionsfrage.

Kompakt-Varianten

Eine Alternative zu großen Bikes oder kleinen Rollern sind trendige kompakte Elektrofahrräder wie das „i:SY DrivE“. Die sind zwar nicht faltbar, aber trotzdem platzsparend. Die Rahmengeometrie passt für Menschen von 150 bis 190 cm Körpergröße. Lenker und Pedale sind einklappbar, die Räder klein, das Gewicht liegt bei 24 kg. Der stolze Preis beträgt 2.700 Euro aufwärts. Auch im Trend liegen E-Mountainbikes mit breitem Lenker und richtig dicken Schlappen, die jeden Bordstein schlucken. Das „Haibike HardNine“ für 2.699 Euro beim „Wildwechsel“ bietet hier hohes Fahrvergnügen. Ideal fährt sich sonst auch das weniger klobige „KTM Sport 11 Plus“ vom „Radhaus“ (Holzhofstraße 11) für 3.399 Euro. Zumeist gut angelegtes Geld, denn die Wartungskosten sind niedrig und die Dinger fährt man über Jahre.

Leasing per JobRad

Ein Dienstfahrrad, das privat wie dienstlich genutzt, dabei versichert und ordentlich versteuert wird, ist für viele Arbeitnehmer heutzutage möglich und nennt sich „JobRad per Gehaltsumwandlung“. Teil des Leasingpakets sind auch Schloss und Taschen. Lediglich der Helm wird selbst gekauft. Der Rest läuft per Vertrag und wird monatlich über die Gehaltsabrechnung abgezogen, inkl. 0,5 Prozent des Kaufpreises, versteuert als geldwerter Vorteil. Via www.JobRad.org lässt sich individuell berechnen, wie viel Eigenanteil monatlich auf den Arbeitnehmer zukommt und somit auch wie viel Ersparnis gegenüber einem Kauf dadurch entsteht. Etwa 30 bis 40 Prozent günstiger kann diese Art der Finanzierung sein und das sowohl für E-Bikes als auch für konventionelle Fahrräder. Einige Arbeitgeber machen da schon mit – es lohnt sich offenbar, für die Umwelt, Fahrradläden, -hersteller und -fahrer. Noch günstiger, nämlich kosten- und steuerfrei ist das komplett arbeitgeberfinanzierte JobRad. E-Scooter lassen sich damit bislang übrigens generell nicht finanzieren oder leasen.

Fazit

Elektroroller und -räder werden sich verbreiten und prägen bald vielerorts, wahrscheinlich auch in Mainz das Stadtbild. Der Vorteil der E-Bikes allerdings: Zwischen gar keiner Motorunterstützung und dem sogenannten „Turbo“, entscheidet der Radler selbst, wie viel oder wenig man in die Pedale tritt. Eine große Auswahl gibt es in den meisten Läden, mit Preisen von 1.800 bis gut 10.000 Euro. Die E-Roller fangen wiederum sehr günstig an. Bei Saturn liegt der „iconBIT Kick Scooter TT v2“ unter 280 Euro. Allerdings muss das entsprechende Gesetz noch in Kraft treten, bevor die Dinger auf die Straße dürfen. Damit ist im Sommer oder Herbst zu rechnen. Die einzigen Modelle, die schon heute eine Zulassung haben, sind der Metz Moover und der BMW X2City, also E-Scooter um die 2.000 Euro. Bald wird der Markt also transparenter. Sobald auch alle Hersteller die finalen Regeln umgesetzt und ihre Roller umgerüstet haben, erwarten wir günstige taugliche Modelle um die 500 Euro. Auch mit besagten Sharing- Angeboten ist dann zu rechnen. Die im Straßenverkehr zugelassenen Tretroller sind dann auf 20 km/h Höchstgeschwindigkeit gedrosselt und haben zwei unabhängige Bremsen für Vorder- und Hinterrad. Bei E-Scootern mit nur einer Bremse kann die zweite meist per Zusatzkit nachgerüstet werden. E-Roller unterliegen zudem einer Lichtzeichenregelung. Heißt: Der Roller muss vorne und hinten mit einem Licht ausgestattet sein. Es wird also bald eng auf Deutschlands Straßen. In Städten, in denen es nur wenige oder schmale Fahrradwege gibt, werden die Roller bald mit Autos, Bussen und LKWs konkurrieren. Breite und komfortable Radwege können eine Konsequenz sein.

Thomas Schneider

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