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Das sensor 2×5 Interview mit Wohnbau-Geschäftsführer Thomas Will

Wie ticken der Mainzer Wohnungsmarkt und Wohnungsbau?
Mainz hat um die 220.000 Einwohner, Tendenz steigend. Viele kommen von weiter weg, wegen Job oder Studium, aber auch Familien wegen der günstigen Kita-Gebühren zum Beispiel. Es gibt auch immer mehr ältere Menschen und Single- Haushalte. Danach richten wir uns beim Bauen aus: 50 Prozent 2-Zimmerwohnungen, 30 Prozent 3-Zimmerwohnungen und 20 Prozent 4-Zimmerwohnungen. Mainz liegt bei den Top-Ten-Mietpreisen Deutschlands. Die Verkaufspreise für Wohnungen sind dabei enorm gestiegen bis zu 7.500 Euro der Quadratmeter. Bei den Mietpreisen ist es ähnlich: In der Neustadt liegt die Kaltmiete bei um die 14 Euro. Das ist für eine Stadt wie Mainz eigentlich zu hoch. Dabei bauen wir schon, soviel es geht. Aber es wird dauern, bis genügend bezahlbares Angebot da ist. Daher müssen wir schauen: Wo kann Mainz weiter wachsen?

Wer sind die großen Player im Wohnungsbau-Geschäft?
Bei den Eigentumswohnungen sind das Bauträger wie Fischer+Co, Gemünden, die GWH aus Frankfurt, die MAG & Epple und einige andere. Aber auch von außerhalb kommen Unternehmen wie Sahle, die auf den Markt drängen. Für Investoren ist das attraktiv, weil wir einen sicheren Markt haben. Da wird verdichtet auf jeden Quadratzentimeter. Von Entsieglung oder Grünausbau ist da gar nicht mehr zu reden.

Und wie sieht das Wohnen der Zukunft aus?
Wir haben zum einen die Demografie-Entwicklung: Es gibt immer mehr ältere oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen. Wir setzen hier auf Themen wie Barrierefreiheit, Aufzüge, gemeinschaftliches Wohnen mit Quartiersmanagement und Senioren-Pflegediensten, damit ein selbstbestimmtes Leben möglich ist. Senioren bieten wir zudem ein Umzugsprogramm oder lebenslange „Seniorenmieten“ an. Die zweite große Linie ist der Klimaschutz: Viele Gebäude in Deutschland müssen energetisch saniert werden. Wir wollen dabei vermehrt selbst Strom erzeugen, PV-Anlagen errichten und Stromspeicher. Bei der Wärme läuft es darauf hinaus, dass wir das Heizen neu justieren müssen, von 24 Grad auf 21 Grad Wohlfühltemperatur. Da wird noch vieles auf uns zukommen.

Steigende Preise, steigende Mieten. Wie kann man dem entgegenwirken?
Die Baukosten steigen enorm. Da können wir kaum was dran machen. Und unsere Einnahmen – die Miete – müssen wir daher anpassen. Wir versuchen das aber sozialverträglich zu gestalten, zum Beispiel auf nicht mehr als 4 Prozent pro Jahr. Im Neubau gehen wir nicht mit Höchstmieten rein, sondern auf den Median des Mietspiegels. Dazu kommen geförderte Wohnungen, wenigstens 30 Prozent eines Neubaus.

An der Rheinallee entsteht die alte Kommissbrotbäckerei. Was erwartet uns?
Die Kommissbrotbäckerei in der Neustadt bedeutet Wohnen und Leben in einem teils denkmalgeschützten Gebäudeensemble mit Gewerbe. Die sogenannte „Alte Backhalle“ & Co. wollen wir dort für Kultur zur Verfügung stellen. Wir suchen einen Pächter für das gesamte Gebäude. Es gibt gute Ideen, aber das finale Konzept braucht noch ein halbes Jahr Zeit. Der Betrieb kann nach Abschluss der Baumaßnahmen im Herbst 2024 starten.

Wo kommen Sie ursprünglich her?
Ich bin gebürtiger Saarländer aus der Nähe von St. Wendel, lebe jedoch seit über 40 Jahren in Mainz. Mit 17 Jahren habe ich mein Elternhaus verlassen und bin Polizist geworden. Danach war ich auf vielen Stationen in Rheinland-Pfalz unterwegs und wurde mit 21 Jahren Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei. So kam ich auch zur Politik, bei mir ist das seit 1975 die SPD. Später saß ich im Stadtrat und war mehrere Jahre SPD-Vorsitzender bis 2008. Dann kam das Angebot vom ehemaligen Oberbürgermeister Jens Beutel, in die Geschäftsführung der Wohnbau zu wechseln. Der hatte mir zwar schon gesagt, dass es ein paar Probleme gibt, aber nicht, dass das Unternehmen zu der Zeit fast pleite war. Das war eine harte Zeit. Das hätte auch das Ende der Wohnbau bedeuten können. Mainz würde heute völlig anders aussehen.

Woher das Interesse an der Polizei?
Das war schon in der Schule mein Wunschberuf. Gerechtigkeit und eine soziale Grundhaltung sind mir wichtig. Aber Straßenpolizist war ich nicht, sondern Ausbilder und in der Stabsarbeit tätig. Einsätze gab es dennoch viele. In den Hochzeiten der RAF stand ich zur Fahrzeugkontrolle mit einer Maschinenpistole auf der Theodor-Heuss-Brücke. Als Geschäftsführer der Wohnbau helfen mir meine sozialen Ideale jedenfalls in der Ausrichtung meiner Tätigkeit: Ich kann Menschen helfen und die Gemeinschaft stärken.

Wie wohnen Sie selbst und auf was legen Sie Wert beim Wohnen?
Ich hatte in meiner Mainzer Zeit verschiedene Wohnungen. Heute lebe ich in einem Reihenhaus in Gonsenheim und bin gerade dabei, die Einheit seniorengerecht auszugestalten. Ich will autark sein und so lange dort wohnen, wie es geht.

Wie steht es um Ihre eigene Familie?
Ich habe zwei eigene Söhne und zwei angeheiratete Töchter. Meine große Freude sind die Enkelkinder: sieben kleine Prinzessinnen und zuletzt ein Prinz, der zwei Jahre alt ist. Ich besuche alle regelmäßig in Budenheim, Wörrstadt oder Worms. Die älteste Enkelin ist 13, dann kommt die Gruppe der 7-jährigen mit den Kleineren. Die stellen dir die Bude in zwei Stunden auf den Kopf. Wir machen jedenfalls viel miteinander, wandern oder in Tierparks gehen… Wenn Sie Tipps brauchen, kann ich Sie gerne versorgen.

Und was machen Sie sonst noch in Ihrer Freizeit? Bald ist ja auch Rente angesagt.
Ja, in zwei Jahren gehe ich in Rente. Man sieht es vielleicht nicht (zeigt auf seinen Bauch), aber ich gehe gern wandern, unter der Woche im Großen Sand etwa, oder in der Pfalz. Nothweiler ist toll bei Landau, da läuft man direkt nach Frankreich rein. Ich höre auch noch sehr gerne Musik und besuche Konzerte, zusammen mit meinem Kumpel Kurt Merkator, der frühere Mainzer Sozialdezernent. Da komme ich eher aus den 70er Jahren, Rock und Progrock, aber auch gerne Jazz und Soul. Im März habe ich Tickets für Procol Harum, im Juni für Nick Mason, der ehemalige Schlagzeuger von Pink Floyd, und im April für Joe Jackson. Ich sammle auch gerne Musik, aber Kurt hat viel mehr CDs und Platten als ich, tausende, ein ganzes Zimmer voll. So viel Zeit kann ich bisher noch nicht investieren.

Interview David Gutsche
Foto Jana Kay

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