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100 Jahre „bauhaus – form und reform“ ab dem 15. September im Landesmuseum

David Roentgen, Wandlungstisch, 1770-80, Landesmuseum Mainz © Kai Pelka

In diesem Jahr feiert das legendäre Bauhaus sein 100-jähriges Jubiläum. 1919 von Walter Gropius als Kunstschule in Weimar gegründet, entwickelt sich das Bauhaus zu einer bedeutenden Reformbewegung und letztlich zur einflussreichsten Bildungsstätte des 20. Jahrhunderts für Architektur, Kunst und Design. Das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) würdigt das Bauhaus nun mit der Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“, die ab 15. September 2019 beginnt.

Ziel der Ausstellung ist es, die Bauhaus-Idee anhand von Alltagsgegenständen nach Entwürfen von Bauhaus-Meistern und -Schülern vorzustellen. Die legendäre Kunstgewerbeschule prägte in nur 14 Jahren – nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten löste sie sich 1933 zur Wahrung ihrer Ideale selbst auf – mit ihrer stilbildenden und reduzierten Formensprache unser bis heute bestehendes Verständnis von Moderne in Architektur und Dingen des Alltags. Klare Linien, rechte Winkel, Verzicht auf Ornamente, Funktionalität und serielle Fertigung sind die wesentlichen Merkmale, die mit der Marke Bauhaus verbunden sind. Vor allem die Massenproduktion von Alltagsgegenständen, die mit der Anpassung der Formen an die industrielle Fertigung möglich wurde, greift einen wichtigen Reformgedanken der Weimarer Zeit auf: die Lebensumstände von Menschen in der Industriegesellschaft zu verbessern. Um diese Gedanken zu verdeutlichen, nutzen die Ausstellungskuratoren kultur-, zeit- und sozialgeschichtliche Ansätze, um so das Phänomen Bauhaus gesellschaftsgeschichtlich einordnen zu können.

Die Ausstellung „bauhaus – form und reform“ präsentiert rund 150 Exponate aus verschiedenen Bauhauswerkstätten, darunter Hausrat, Möbel, Lampen sowie theoretische Schriften und Werbung aus der Zeit von 1900 bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Sonderschau zeigt zunächst die Entwicklung zur Bauhaus-Idee ausgehend vom Gedankengut des Deutschen Werkbundes und stellt diverse Handwerksbetriebe aus dem Mainzer Raum vor, die bereits im späten 18. Jahrhundert begannen, auf Manufakturarbeit umzusteigen und zu Vorreitern der industriellen Massenproduktion wurden. Für die Ausstellungsbesucher bietet sich so die Möglichkeit, die Entwicklung des Bauhauses von den Wurzeln bis zur Realisierung und den nachhaltigen Wandel  vom Handwerk bis zum Industriedesigner nachzuvollziehen und mehr über die Reformbewegung des Kunstgewerbes, die auch eine Reform des gesellschaftlichen Zusammenlebens seit 1900 war, zu erfahren.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Werkstätten und Ateliers des Bauhauses – dort, wo sich alle Reformgedanken bündelten und konkrete Gegenstände entstanden sind. Die funktionale Gestaltung von Alltagsgegenständen, in erster Linie Tischler-, Metallverarbeitung  oder Schreinerarbeiten, steht sinnbildlich für ein modernes, neues Leben nach dem Ersten Weltkrieg. Verschiedene Prototypen wurden von unterschiedlichen Produzenten hergestellt und vermarktet. So zeigt die Ausstellung, dass sich die Bauhaus-Idee in einem zeitlosen Design ausdrückt, das alle Entwürfe miteinander verbindet. Dieses Design wird zugleich Teil eines Lebensstils, der in den 1920er-Jahren entsteht und sich heute als ein liberaler und weltoffener Stil fest in der modernen Gesellschaft etabliert hat.

Rheinland-Pfälzische Privatsammlungen mit dem Schwerpunkt Bauhaus und zahlreiche Museen stellen Leihgaben zur Verfügung, ohne die eine Realisierung der Ausstellungsidee nicht möglich gewesen wäre. Hauptleihgeber der Ausstellung ist die Sammlung Sebastian Jacobi aus Bad Ems, der 36 Objekte aus dem Bauhaus-Umfeld beisteuert.

„bauhaus – form und reform. Von der Reformbewegung zum Wohnen mit Ikonen“ ist vom 15. September 2019 bis 19. Januar 2020 im Landesmuseum Mainz zu sehen.

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