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Postbote hortet tausende Briefe an Empfänger zwischen Mainz und Bingen

Symbolbild - Briefwahl

 

Aus der Allgemeinen Zeitung von Michael Erfurth

Nach einem Wasserrohrbruch in einem Haus für betreutes Wohnen in Köln-Ehrenfeld machte die Eigentümerin am Freitag eine überraschende Entdeckung im Keller: In einem ungenutzten Raum stand eine große Zahl von gelben Postkisten und Umzugskartons, gefüllt mit Tausenden Briefen.

Der Großteil dieser Briefe, die durch den Wasserschaden stark durchnässt und beschädigt wurden, war an Empfänger in Gemeinden zwischen Mainz und Bingen adressiert, sagte am Montag ein Sprecher der Deutschen Post auf AZ-Anfrage. Ein Zusteller, der als Vertretung in mehreren Bezirken in Rheinhessen gearbeitet hat und der im Juni nach Köln umgezogen war, hatte diese Briefe in dem Keller gehortet. Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen Unterschlagung und Verletzung des Postgeheimnisses gegen den 27 Jahre alten Kölner.

Ein Sprecher der Kölner Polizei sagte, der Mann habe wohl gewusst, dass dieser Kellerraum leerstand. Als die Polizei die Pakete in Augenschein nahm, sei der 27-Jährige hinzukommen und habe eingeräumt, dass er die Briefe hier gelagert habe. Die Briefe mit den 55er Postleitzahlen, deren Gesamtgewicht laut Polizei bei etwa einer Tonne liegen soll, sind zwischenzeitlich ins Verteilzentrum nach Hechtsheim gebracht worden. „Sie sind völlig durchnässt und müssen daher erst einmal getrocknet werden“, sagt Heinz-Jürgen Thomeczek von der Postpressestelle. Dies geschehe in Hechtsheim unter der Aufsicht eines Sicherheitsbeauftragten.

Derzeit sei noch nicht bekannt, welche Zustellbezirke betroffen sind

Derzeit sei noch nicht bekannt, welche Zustellbezirke betroffen sind, da der 27-Jährige als Aushilfe in mehreren Orten zwischen Mainz und Bingen gearbeitet habe. In einem nächsten Schritt werde nun festgestellt, um welche Bezirke es sich handelt. Alle Briefe würden nach und nach zugestellt. Der Postsprecher geht davon aus, dass alle Adressaten in etwa einer Woche ihre Briefe erhalten werden.

„Wir können uns bei unseren Kunden nur entschuldigen.“ Nach derzeitigem Erkenntnisstand seien die Briefe nicht geöffnet worden. Daher sei denkbar, dass es der 27-Jährige nicht auf die Inhalte der Sendungen abgesehen hatte. Möglich sei, dass sich der Mann in seiner Tätigkeit als Zusteller überlastet gefühlt habe und er daher, anstatt alle Briefe auszutragen, Postkisten mit nach Hause genommen hat.

All diese Fragen müssten im Rahmen der Ermittlungen geklärt werden. Dazu gehöre auch die Frage, ob es sich um einen Straftatbestand handele. „Wir weisen unsere Zusteller immer darauf hin, sich bei Problemen zu melden.“ Im vorliegenden Fall sei dies nicht geschehen.