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So wohnt Mainz: Gemeinschaftlich wohnen am “Cavalier Holstein”

Gerade ausgezeichnet mit dem Staatspreis für Architektur und Wohnungsbau wurde dieses Projekt. Es umfasst 96 Wohnungen, von denen mehr als die Hälfte öffentlich gefördert sind.
Miteinander leben – mit diesem Wunsch haben sich Stephan Günther und seine Frau Nadine vor zwei Jahren beim Wohnprojekts Cavalier Holstein im Martin-Luther-King-Park beworben. Mit viel Glück haben sie eine Zweizimmerwohnung ergattert; vor ein paar Wochen dann endlich der Umzug in ein größeres Heim: vier Zimmer auf knapp 100 qm, offener Wohn- und Essbereich, eine Badewanne mit Blick auf den Innenhof und ein Balkon mit Sonne. „Ich feiere immer noch alles ab“, lacht Nadine. Ihr persönliches Highlight: die Waschmaschine. Doch nicht nur die topmoderne Ausstattung begeistert das junge Ehepaar. Es sind vor allem die Menschen und die Gemeinschaft, die den sterilen Neubau mit seinen penibel angelegten Grünflächen von anderen Wohnblocks unterscheiden.

Für Jung und Alt

„Zuhause in Mainz“ ist das erste Wohnprojekt seiner Art in Rheinland-Pfalz. Gebaut von der Mainzer Wohnbau nach dem Vorbild des „Bielefelder Modells“, wurde es 2016 eröffnet. Ziel ist es, im Alter ein selbstbestimmtes Leben und Wohnen zu führen. Dafür gibt es eine 24-stündige Versorgungssicherheit durch den Pflegedienst von Pro Salus – ohne Betreuungspauschale. Was erstmal nach Seniorenprogramm klingt, richtet sich doch an Jung und Alt, an Menschen mit und ohne Pflegebedürftigkeit. Der Altersdurchschnitt liegt bei 41 Jahren, 24 Prozent der Bewohner sind Kinder. Nadine und Stephan gehören mit Ende 30 der eher jüngeren Generation an. Sie sind vor allem wegen des Nachbarschaftsgefühls hierher gezogen. In ihrer alten Wohnung in der Lessingstraße hat das gefehlt. „Niemand war motiviert, etwas für die Gemeinschaft zu tun“, sagt Nadine. Das ist nun anders. Neben dem integrierten Pflegedienst gehört auch ein Nachbarschaftscafé mit zum Projekt. Jeden Nachmittag wird eine Hausaufgabenbetreuung für Schulkinder angeboten. Bei gemeinsamen Kochabenden, Nähkursen und Sommerfesten kann die Nachbarschaft zusammenrücken. Während in anderen Mietshäusern die Namen der Nachbarn meist unbekannt bleiben, steht das Wir-Gefühl hier im Fokus.

Alle müssen mit anpacken

Ein verheißungsvolles Konzept, das nur durch ehrenamtliches Engagement getragen wird. Stephan ist Teil der Kochgruppe. Alle sechs Wochen kocht man gemeinsam im Nachbarschaftscafé „Maluki“. Da Stephan hauptberuflich als Corporate Designer tätig ist, unterstützt er die Gestaltung des Newsletters. Dieser informiert regelmäßig über neue Events und Angebote des Projektes. Nadine war lange Zeit als Sprecherin erste Anlaufstelle bei Kummer und Sorgen. Letztens hatte sich eine Frau beschwert, dass alle Äpfel von ihrem Baum gepflückt worden seien. „Damit wurde bestimmt für Sonntag ein Apfelkuchen gebacken“, konnte sie die Gemüter besänftigen. Natürlich kommt es bei so vielen unterschiedlichen Menschen auch immer wieder zu Konflikten. „Es ist ein bisschen wie auf dem Dorf – 70 Prozent der Nachbarschaft kennen wir“, weiß Stephan. Dass daher auch mal getratscht wird, stört die beiden nicht. So wird schon bei der Bewerbung auf ehrenamtliches Engagement geachtet. „Das war ein bisschen wie bei einem Interview“, sagt Nadine. „Natürlich kommt es aber auch noch einmal auf die Lebenssituation der Bewerber an“, erzählt Quartiersmanagerin Anne Pohlmann. Bisher funktioniert das Konzept gut – auch außerhalb der Community. Vor Kurzem hat ein Rollstuhlfahrer Hilfe beim Streichen seiner Wände gebraucht und problemlos Freiwillige gefunden. Eine andere Frau kocht jeden Tag für ihre Nachbarin mit. Das alles sind Beispiele, die auch die Quartiersmanagerin berühren. Nadine und Stephan haben nicht viel zu kritisieren – schön wäre vielleicht eine Patenschaft für Neue, damit der Einstieg demnächst leichter fällt.

Text Lisa Winter Fotos Domenic Driessen

2 Kommentare “So wohnt Mainz: Gemeinschaftlich wohnen am “Cavalier Holstein”

  1. Super Sache , haben uns sehr für eure neue Wohnung gefreut…Viel Glück dort und Spaß mit den Nachbarn! Ich als “Landei” kenne und mag, das aufeinander Aufpassen der Nachbarn! Liebe Grüsse Regine und Co

  2. Was mich etwas wundert ist die Eingruppieurng der Artikel. Dieser erscheint unter “Aktuell”. Ich weiss nicht wie ihr das definiert, aber ein Bericht über wohnen in Mainz ist für mich nicht “aktuell”, sondern im gegenteil eher “zeitlos”. Vielleicht könnte man an den Schlagwörtern nocht ein bisschen “schrauben”.

    Es gibt noch Menschen die Internetseiten benutzen und nicht nur die Timeline im social media account abarbeiten 😉

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